KampfkunstSelbstverteidigungTaijiquan

Die heilsame Niederlage einer ganzen Ideologie – The Ultimate Fist Teil 3

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Synergie der Kampfstile

Also alles hinwerfen, da Taijiquan offensichtlich nicht funktioniert? Oder vielleicht doch nicht? Taijiquan beinhaltet alles in Allem sehr viele nützliche Elemente des Kampfes bzw. die das Studium der Kampfkunst erfordern, die richtige Interpretation ist jedoch wichtig. Der Gesamtfilm eines Trainings sollte vermehrt – sowie schon lange bei anderen Stilen selbstverständlich – auf minimale Fragmente reduziert werden. Taijiquan liefert Grundfunktionen des Kampfes wie Koordination, Beinkraft, Standfestigkeit und Balance, innere und äußere Haltung, Feingefühl, Entspannung und über die Entspannung die Explosivität bzw. Impulskraft. Taijiquan schult das mentale und  physische Korsett. Aber Tai Chi übt heutzutage innerhalb seines eigenen Rahmens, seiner eigenen Muster und kann daher innerhalb seines tatsächlich praktizierten Trainingshorizonts niemals das Spektrum anderer Stile abdecken und vice versa.

Den Horizont erweitern

Mit Taijiquan eignet man sich ein Rüstzeug an, dass jedoch vielleicht erst durch einen anderen Zugang zur Anwendung kommen kann. Jedoch zur Anwendung dieses Rüstzeuges bedarf es eventuell anderer Stile wie Thai Boxen, MMA, Judo, Brazilian Jiujitsu, Klassisches Boxen, Kickboxen, Ringen, Ving Tsun, Krav Maga etc.
Essentielle Voraussetzungen wie emotionale Bereitschaft, Schmerzakzeptanz und Abhärtung, das Antizipieren des Gegenübers oder auch Ausdauer bzw. anaerobe Toleranz sind im (europäischen?) Taiji-Training nicht oder nicht mehr zu finden. Zudem fehlt dem Taiji ein kämpferisches Konzept, ein Rezept, an der man sich im Kampf orientieren kann. Taiji verläßt sich komplett auf die intuitive Begegnung mit dem Gegner, schreibt keine basalen Techniken vor. Das bringt zwar viele Vor- und gleichzeitig aber auch viele Nachteile. Und für viele bleibt diese Methode unerreicht und damit Taijiquan unanwendbar.

Taijiquan ermöglicht das Erkennen des eigenen Selbst. Und dazu gehört auch das eigene Versagen. Und das sollte doch die Basis für ein Vorankommen, für die eigene Weiterentwicklung bilden.
Vielleicht könnte man zusammenfassend sagen, dass Taijiquan – zumindest in der heute oftmals praktizierten Form – kaum greifbare Konzepte für den effektiven Kampf bietet. Taijiquan stellt überraschende körperliche Möglichkeiten in Aussicht, viel mehr als dies andere Stile tun. Vielleicht hat man die Möglichkeit, die Sackgasse des Kampfkunststudiums zu verlassen, wenn man sich nicht scheut, den Blick auf die Synergie unterschiedlicher Selbstverteidigungssysteme zu lenken. Dabei ist es sicher hilfreich, bereits Erreichtes und somit das eigene Ego in Frage zu stellen.